⏱ World Clock
✈️ Reiseziele

Amerikaner in Italien: Dolce Vita, Kunst und Milliarden für die Wirtschaft

world-clock.info Lesedauer: ca. 3 Min.
Amerikaner in Italien: Dolce Vita, Kunst und Milliarden für die Wirtschaft

La dolce vita made in USA

Es gibt eine Szene aus dem Film 'Roman Holiday' aus dem Jahr 1953, in der Audrey Hepburn auf einer Vespa durch die Straßen Roms fährt, lächelnd, frei, verzaubert. Diese Szene hat das Bild Italiens in der amerikanischen Vorstellungswelt für Generationen geprägt. Über 70 Jahre später ist die Faszination ungebrochen. Millionen Amerikaner träumen von Italien, und Millionen machen diesen Traum wahr.

Laut dem Italian National Institute of Statistics (ISTAT) besuchten im Jahr 2019 rund 5,8 Millionen Touristen aus den USA Italien. Das macht Amerika zur zweitgrößten ausländischen Besuchergruppe nach Deutschland. Zusammen mit ihren Ausgaben von durchschnittlich 1.200 Euro pro Person und Reise (laut Bank of Italy) hinterließen US-Touristen 2019 über 7 Milliarden Euro in der italienischen Wirtschaft.

Warum Amerika Italien liebt

Der Kulturschatz ist das offensichtlichste Argument. In keinem anderen Land der Welt stehen so viele UNESCO-Welterbestätten wie in Italien, 58 im Jahr 2024. Das Kolosseum, Pompeji, die Uffizien in Florenz, die Gondeln in Venedig, die Cinque Terre. Diese Bilder sind im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert und werden in amerikanischen Schulen seit Generationen gelehrt.

Dazu kommt der Faktor Herkunft. Über 17 Millionen US-Bürger geben an, italienische Vorfahren zu haben, vor allem in Neuengland, New York, New Jersey und Chicago. Für viele ist die Reise nach Italien also keine gewöhnliche Urlaubsreise, sondern eine Pilgerfahrt zu den eigenen Wurzeln. Der Besuch eines kleinen Dorfes in Kalabrien oder Sizilien, der Suche nach dem alten Familiennamen in Kirchenbüchern, das Gespräch mit einem Cousin, den man noch nie getroffen hat: Das ist ein Erlebnis, das kein anderes Reiseziel ersetzen kann.

Und schließlich: das Essen. Die amerikanische Kulinarikkultur ist tief von italienischer Küche geprägt, auch wenn Pizza und Pasta in den USA oft weit von ihrem Ursprung entfernt sind. Das Original in Neapel zu essen, in einem kleinen Trattoria in Rom die echte Carbonara zu kosten, das ist für viele Amerikaner ein kulinarisches Erweckungserlebnis.

Die beliebtesten Destinationen

Rom bleibt die unbestrittene Nummer 1. Vatikan, Trevi-Brunnen, Forum Romanum, Spanische Treppe, Pantheon: Kaum eine amerikanische Europareise führt nicht durch die Ewige Stadt. Die Zahl der täglichen Besucher im Vatikanischen Museum liegt im Sommer regelmäßig über 20.000.

Florenz folgt dicht dahinter. Die Uffizien mit Botticellis 'Geburt der Venus', der Ponte Vecchio, die Toskana-Hügel, die man von San Miniato al Monte aus sieht: Florenz erfüllt jeden Kunstliebhaber-Traum. Die Stadt hat allerdings mit massivem Overtourism zu kämpfen und diskutiert seit Jahren über Zugangsbeschränkungen.

Venedig ist ein Kapitel für sich. Die Stadt erhält jährlich rund 25 Millionen Besucher, darunter viele Amerikaner. 2024 wurde eine Tagesgebühr von fünf Euro für Tagesgäste eingeführt, die erste derartige Maßnahme einer europäischen Stadt. Auf dem Aufstieg: Sizilien, das durch die Serie 'The White Lotus' (Staffel 2 drehte in Taormina) massiv an Sichtbarkeit gewonnen hat.

Ausgaben und wirtschaftlicher Einfluss

Amerikanische Touristen sind in Europa überdurchschnittlich zahlungsstark. Sie buchen häufiger Fünf-Sterne-Hotels, private Führungen und exklusive Restauranterlebnisse als andere Besuchergruppen. Laut World Travel and Tourism Council tragen US-Touristen pro Kopf mehr zur lokalen Wirtschaft bei als jede andere nicht-europäische Reisegruppe.

Hotels der Spitzenklasse wie das Hotel Hassler in Rom oder das Belmond Villa San Michele in Florenz erzielen laut Branchenberichten 30 bis 40 Prozent ihres Umsatzes mit amerikanischen Gästen. Eine Zahl, die verdeutlicht, wie wichtig dieser Markt für das Premiumsegment der italienischen Hospitality ist.

Nach Corona: Schnelle Erholung und neue Trends

Die COVID-Krise traf den US-Tourismus nach Italien dramatisch. 2020 kamen weniger als 600.000 US-Touristen. Die Erholung verlief jedoch außergewöhnlich schnell: 2022 waren es bereits wieder über 4 Millionen, und 2023 übertrafen die Zahlen erstmals wieder das Vor-Corona-Niveau.

Ein neuer Trend treibt das Wachstum: Erlebnisreisen. Kochkurse in Bologna, Weintouren im Piemont, Olivenöl-Workshops in der Toskana, Keramikmalerei in Deruta. Amerikanische Reisende, besonders Millennials und Gen Z, suchen zunehmend Erlebnisse statt Konsum. Und Italia bietet davon mehr als fast jedes andere Land der Welt.

Süditalien entdecken: Der neue Trend abseits der ausgetretenen Pfade

Während Rom, Florenz und Venedig an touristischen Kapazitätsgrenzen kratzen, entdecken immer mehr amerikanische Reisende das andere Italien: Apulien mit seinen weißen Trulli-Häusern, Kalabrien mit wilden Bergen und kristallklarem Meer, die Basilikata mit der Höhlenstadt Matera, die 2019 Europäische Kulturhauptstadt war.

Diese Regionen haben weniger englischsprachige Beschilderung, weniger Touristenrestaurants, dafür echte Begegnungen. Für Amerikaner mit süditalienischen Wurzeln, deren Vorfahren aus Kalabrien oder Sizilien stammten, sind diese Orte keine Reiseziele, sondern emotionale Heimkehr. Nichts verändert einen Menschen so wie das Gefühl, den Ursprung der eigenen Familie zu berühren.

Die EU-Förderung für Süditalien hat Infrastruktur verbessert. Agriturismo-Betriebe bieten authentische Unterkünfte mitten in Olivenhainen. Kochkurse mit Nonnas, die noch die traditionellen Rezepte kennen, sind ausgebucht. Wanderrouten durch den Nationalpark Pollino oder entlang der kalabrischen Küste erschließen eine Natur, die dem Massentourismus noch unbekannt ist.

Wer Italien wirklich kennenlernen will, fährt in den Süden. Dort schlägt das Herz des Landes ruhiger, echter und unvergesslicher.

Praktische Tipps für amerikanische Italien-Reisende

Wer als Amerikaner nach Italien reist, begegnet einigen Unterschieden, die überraschen können. Restaurants in Italien servieren kein Wasser automatisch: Man muss es bestellen und bezahlt dafür. Cappuccino nach dem Mittagessen zu trinken gilt als touristisch; Italiener trinken ihn morgens. Das Trinkgeld ist in kleinen Mengen üblich, aber nicht obligatorisch wie in den USA.

Praktisches Tipp zur Reiseplanung: Die großen Museen, allen voran die Uffizien in Florenz, das Kolosseum in Rom und der Vatikan, sollten Wochen im Voraus online reserviert werden. Wer spontan anreist, steht oft vor ausgebuchten Tageskontingenten oder langen Schlangen.

Kleidung in Kirchen: Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Ein leichter Schal oder eine Wickeljacke im Gepäck spart Ärger an Einlasskontrolles. Das gilt für den Petersdom genauso wie für die kleinste Dorfkirche in der Toskana.

Das Schöne: Italien ist ein Land, das geduldigen Besuchern immer mehr zeigt. Wer zwei Wochen bleibt statt fünf Tage, wer Seitenstraßen geht statt Haupttouristenwegen, wer mit Einheimischen spricht statt nur Fotos zu machen, erlebt ein Land von unerschöpflicher Tiefe. Kein Reiseführer erfasst das vollständig.

Neowake App – Bessere Konzentration & tiefer Schlaf
← Alle Artikel