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Koreaner in Europa: Shopping, Kultur und der K-Wave-Effekt

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Koreaner in Europa: Shopping, Kultur und der K-Wave-Effekt

K-Wave trifft Grand Tour

Südkorea ist ein kleines Land mit großem Hunger nach der Welt. Mit rund 52 Millionen Einwohnern und einem der höchsten BIP pro Kopf in Asien produziert die koreanische Gesellschaft Reisende, die gut verdienen, viel ausgeben und anspruchsvolle Erlebnisse suchen. Europa steht ganz oben auf der Wunschliste.

Im Jahr 2019 reisten laut Korea Tourism Organization (KTO) rund 6,5 Millionen Koreaner nach Europa, ein Anstieg von über 70 Prozent gegenüber 2010. Die beliebtesten Zielländer: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Schweiz und Italien. Paris führt die Liste der meistbesuchten europäischen Städte durch Koreaner an, was vor allem dem Luxusshopping und dem Ikonenstatus der Stadt zu verdanken ist.

Was Korea mit Europa verbindet

Die Verbindung ist tiefer als man zunächst denkt. Korea hat eine intensive Beziehung zur europäischen Hochkultur, insbesondere zur klassischen Musik. Südkorea hat mehr Konzerthallen pro Einwohner als fast jedes andere Land der Welt. Pianisten, Geigisten und Dirigenten aus Korea gehören zur Weltspitze. Für diese Menschen ist Europa das Mutterland ihrer Kulturleidenschaften.

Hinzu kommt Bildung als Reisemotiv. Korea ist eine der meritokratischsten Gesellschaften der Welt. Europäische Universitäten, Museen und historische Stätten werden als Bildungserlebnisse begriffen. Es ist keine Seltenheit, dass koreanische Eltern ihre Kinder nach Paris oder Rom mitbringen, weil das als wertvoll für deren Entwicklung gilt.

Und dann ist da die Ästhetik. Europäische Architektur, Mode, Inneneinrichtung und Lebensstil haben in Korea einen hohen Stellenwert. Das Konzept des 'Europe-chic' durchzieht koreanische Werbung, Cafés und Design. Eine Reise nach Europa ist für viele Koreaner auch eine Reise zur Quelle dieser Ästhetik.

Shopping: Der Motor des Europatourismus

Koreaner gehören zu den ausgabefreudigsten Touristen in Europa. Laut Global Blue sind Koreaner nach Chinesen die stärkste Nutzergruppe für Steuerrückerstattungen in Europa. Besonders gefragt sind Hermès, Chanel, Louis Vuitton und Gucci, da diese in Korea durch Steuern und Importzölle erheblich teurer sind als in Europa.

Paris ist die Tax-Free-Hauptstadt für Koreaner. Die Galeries Lafayette und die Avenue des Champs-Élysées sind obligatorische Anlaufpunkte. In London ziehen Harrods und die Bond Street, in Mailand die Quadrilatero d'Oro. Eine koreanische Reisegruppe ohne Shopping-Tag in einer europäischen Luxusmeile ist eine Seltenheit.

Interessant ist das veränderte Einkaufsverhalten: Jüngere Koreaner kaufen zunehmend auch bei kleinen unabhängigen Labels, in Vintage-Stores und auf Designermärkten. Die Generation Z sucht Individualität, keine Massenmarken.

Neue Trends: Individuell statt Gruppenreise

Traditionell reisten Koreaner in organisierten Gruppen mit koreanischsprachiger Reiseleitung. Dieser Trend verschiebt sich deutlich. Millennials und Gen Z reisen zunehmend individuell, buchen über Naver, KakaoTalk-Gruppen und koreanische YouTube-Reisekanäle und folgen Social-Media-Empfehlungen statt Pauschalitinerarien.

Besonders beliebt bei koreanischen Social-Media-Nutzern: versteckte Cafés in Pariser Nebengassen, Day Trips nach Versailles oder Giverny, Fahrradtouren entlang der Loire, Weinproben im Bordeaux, Bergwanderungen in der Schweiz. Das Reisebild wird authentischer, persönlicher und visuell anspruchsvoller.

Zahlen und Ausblick

Koreanische Europareisende 2019: 6,5 Millionen. Durchschnittliche Ausgaben pro Reise: rund 3.100 Euro, einer der höchsten Werte in Asien. Erholungsrate 2023: etwa 75 Prozent des Vor-Corona-Niveaus.

Der globale Erfolg von K-Pop und K-Drama hat das Selbstbewusstsein koreanischer Reisender erhöht und Korea weltweit sichtbarer gemacht. Diese 'Cool Korea'-Welle verbindet sich mit einem wachsenden Wunsch, die Welt zu erkunden. Europa wird von dieser Entwicklung weiter profitieren, besonders wenn Destinationen lernen, auf koreanischen Plattformen präsent zu sein.

Korea trifft Europa: Begegnungen, die beide Seiten verändern

Wenn koreanische Touristen durch Europas Städte reisen, bringen sie etwas mit, das oft übersehen wird: ein unglaublich geschärftes ästhetisches Auge. Die koreanische Gesellschaft hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine visuelle Kultur entwickelt, die weltweit konsumiert wird. K-Pop, K-Drama und Korean Beauty haben einen Standard für Komposition, Farbe und Stil gesetzt, der sich auf das Reiseverhalten auswirkt.

Koreanische Touristen fotografieren anders. Sie suchen nicht nur das offensichtliche Postkartenmotiv, sondern Details: die Textur eines alten Pflastersteins in Lissabon, das Licht in einer engen Gasse in Bologna, die Farbe eines Türrahmens in Prag. Diese Bilder landen auf Instagram und Naver und werden zu Reiseempfehlungen für Millionen weitere Koreaner.

Europäische Destinationen, die auf diese Ästhetik eingehen, profitieren überproportional. Porto in Portugal ist ein Beispiel: Die Azulejos-Kacheln, die historische Tram 28, die Fado-Clubs wurden durch koreanische Social-Media-Beiträge zu Ikonen, die einen messbaren Anstieg koreanischer Besucher ausgelöst haben.

Auf der anderen Seite: Europa lernt von Korea. Koreanische Schönheitsprodukte, koreanische Restaurants und K-Pop-Konzerte sind in europäischen Städten keine Nische mehr. Die Begegnung ist keine Einbahnstraße. Sie verändert beide Seiten.

Praktische Reiseinfos für Koreaner in Europa

Europa ist für koreanische Erstbesucher groß und heterogen. Die Mentalität unterscheidet sich von Land zu Land erheblich, mehr als in Asien wahrgenommen. Franzosen sind formeller als Niederländer. Deutsche direkter als Spanier. Italiener improvisationsfreudiger als Schweizer.

Schengen-Raum: Koreaner können als Staatsangehörige eines visafreien Landes bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen in Schengen-Staaten reisen. Das ermöglicht ausgedehnte Europareisen ohne Visaaufwand. Ab 2025 ist jedoch die ETIAS-Registrierung erforderlich, ein einfaches Online-Verfahren ähnlich dem amerikanischen ESTA.

Währungen: Nicht alle EU-Länder haben den Euro. Schweden, Dänemark, Polen, Ungarn und andere haben eigene Währungen. Wer eine Europareise plant, sollte die Währungssituation im Voraus klären.

Was koreanische Reisende regelmäßig berichten: Europa überrascht durch seine menschliche Dimension. Altstädte, in denen man zu Fuß alles erreicht, Marktplätze, auf denen das Leben stattfindet, Cafés, in denen man stundenlang sitzen kann ohne Blicke zu ernten. Das ist anders als in Seoul oder Busan, wo das Tempo das Leben dominiert. Und diese Andersartigkeit ist genau das, was Koreaner suchen, wenn sie Europa wählen.

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